Das Geriatriekonzept Baden-Württemberg

Geriatrisches Konzept

 

siehe auch: E-Learning: Lektion über die ICIDH

 

1985 wurde das Geriatriekonzept Baden-Württemberg veröffentlicht, das die Leitlinien der Versorgung geriatrischer Patienten regelt. Grundzüge des Konzeptes sind die wohnortnahe Behandlung und die Betonung der Rehabilitation, d.h., die Erhaltung und Wiederherstellung der Selbstständigkeit des Kranken mit dem Ziel, ihn wieder in seine häusliche Umgebung zu integrieren. 


Um die ganzheitliche Betreuung des älteren Rehabilitationspatienten zu gewährleisten, wird in einem Team gearbeitet, bestehend aus Ärzten, Alten - und Krankenpflegekräften, Krankengymnasten, Ergotherapeuten,

Logopäden, Sozialdiensten und Seelsorgern. Seit 1991 gab es bereits am Diakonissenkrankenhaus eine Abteilung für Klinische Geriatrie. Am 1. April 1995 wurde die REHA-Geriatrie in Betrieb genommen. Seit dieser Zeit wurde der größte Teil der Patienten mit Erfolg wieder in ihre häusliche Umgebung entlassen.

In anderen Fällen konnte eine drohende Pflegebedürftigkeit vermieden oder ihr entgegengewirkt werden. Für Mannheim und Umgebung setzt das Diakoniekrankenhaus erfolgreich einen weiteren Meilenstein in der

Versorgung und Rehabilitation älterer Menschen.

 

Klinische Akutgeriatrie 

 

Die Geriatrie ist der Zweig der Heilkunde, der sich mit Prävention, Erkennen und Behandeln von Krankheiten und Behinderungen beschäftigt, die insbesondere bei älteren Menschen vorkommen und bald zur Hilfsbedürftigkeit und zum Verlust der Selbstständigkeit führen.

Das Auftreten von Krankheiten im Alter ist insbesondere durch deutliche Störungen des Gleichgewichts zwischen Soma, Psyche und sozialer gekennzeichnet. 

Charakteristisch für Erkrankungen im höheren Lebensalter sind unspezifische Symptomatik, schnelle und kritische Verschlechterung des Allgemeinzustandes sowie verzögerte Rekonvaleszenz.

 

Aufnahmekriterien für die Akut- oder Klinische Geriatrie:

 

  • Multimorbide Patienten > 60 Jahre
  • Sturzsyndrome
  • Gangstörungen im Rahmen von Alterstremor, Parkinson-Syndrom und neurologischen Erkrankungen
  • Antriebsverarmung im Alter im Rahmen von Depressionen etc.
  • Chronische kardiopulmonale Erkrankungen, die zur Einschränkung im ADL-Bereich (Aktivitäten des täglichen Lebens) führen
  • Arthrosen und degenerative Erkrankungen
  • Bewegungsstörungen bei chronisch arterieller Verschlußkrankheit, die diagnostisch abgeklärt und chirurgisch austherapiert sind (z.B. Ulkusbehandlung)
  • Chronische Schmerzzustände mit drohender Immobilität
  • Apoplexpatienten nach Abschluß der Akutdiagnostik (d.h., nach erfolgter Computertomographie, Dopplersonographie, etc.) zur Frührehabilitation
  • Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahmeprobleme (z.B. Exsikkose und Kachexie)
  • Drohende Pflegebedürftigkeit bei Verschlechterung chronischer Leiden
  • Spätfolgen des Diabetes mellitus
  • Frühmobilisierung nach noch nicht belastungsstabilen Frakturen mit und ohne Osteosynthese

 

Keine Indikation für eine geriatrische Aufnahme sind:

 

  • Akute eindimensionale organ- und fachspezifische Erkrankungen des älteren Patienten (z.B. akuter Herzinfarkt, Schenkelhalsfraktur)
  • Terminalstadium einer Erkrankung - Palliativmedizin -
  • Chronisch bettlägerige Patienten ("Pflegefall"), bei denen die Dauerpflege oder eine eindimensionale Erkrankung und deren Behandlung im Vordergrund steht

 

 

Geriatrische Tagesklinik 

 

Die geriatrische Tagesklinik ist eine teilstationäre Rehabilitationseinrichtung. Sie bietet neben der medizinischen und pflegerischen Betreuung das gleiche krankengymnastische, ergotherapeutische und logopädische Behandlungsspektrumwie die stationäre Einrichtung.

Der Unterschied zur stationären Rehabilitation besteht darin, daß die Patienten nicht den ganzen Tag in der Tagesklinik verbringen, sondern morgens gebracht und im Laufe des Nachmittags wieder abgeholt werden.

Die Behandlung kann individuell angepaßt von 1 Tag bis zu 5 Tagen in der Woche erfolgen. Die Betreuung außerhalb der Öffnungszeiten der Tagesklinik wird durch die niedergelassenen Ärzte weitergeführt. Die Tagesklinik ist somit das Bindeglied zwischen der vollstationären Rehabilitation und der Behandlung durch die Hausärzte. Die Klinik ist geöffnet von Montag bis Freitag 8:00 bis 16:00 Uhr. 

 

Für die Aufnahme müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein: So muss der Patient aus Mannheim oder der näheren Umgebung kommen, und er sollte mit leichter Hilfestellung den täglichen Transport von zu Hause und nach Hause bewältigen können.

 

Geriatrische Rehabilitation

 

Ziele: 

  • Erhaltung oder Erlangung größtmöglicher Selbstständigkeit 
  • Vermeidung oder Verminderung von Pflegebedürftigkeit
  • Abkürzung und Vermeidung eines Krankenhausaufenthaltes 
  • Rückführung des Patienten in seine gewohnte soziale Umgebung

 

 

Indikationen: 

  • operativ oder konservativ versorgte Knochenbrüche
  • Zustand nach chirurgischen Eingriffen
  • Zustand nach Amputationen
  • Zustand nach Schlaganfall mit Lähmungen oder/und Sprachstörungen
  • Morbus Parkinson
  • Stoffwechselerkrankungen wie der Diabetes mellitus
  • Degenerative Wirbelsäulen- und Gelenkleiden sowie Osteoporose
  • Multimorbide Patienten, bei denen eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes droht (präventive Rehabilitation)

 

Voraussetzungen: 

  • der Patient weist ein höheres Lebensalter auf
  • der Patient ist rehabilitationsbedürftig
  • der Patient ist rehabilitationsfähig
  • der Patient ist rehabilitationswillig

siehe Geriatrische Rehabilitationsklinik