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Demenz
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Unsere Leistungen

Schwerpunkte

Altersmedizin

Alle wichtigen technischen Untersuchungen zur Diagnostik von Erkrankungen und zum Erkennen von Problemen unserer Patienten sind am Diakonissenkrankenhaus unmittelbar vorhanden.

Uns ist es ein besonderes Anliegen, dass Untersuchungen kritisch nach Nutzen und Risiken abgewogen werden und eine Untersuchung möglichst ohne größere Wartezeiten von den Ärzten, die den Patienten kennen, durchgeführt werden. 

Spezifische Untersuchungen anderer Disziplinen (z. B. Darmspiegelung, Gefäßdarstellungen) sind natürlich möglich.

Multimorbidität

Unsere Schwerpunkte für ältere Menschen mit häufig vielen Erkrankungen (Multimorbidität):

  • internistische Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Lungenerkrankungen)
  • neurologische Erkrankungen (Schlaganfall, M. Parkinson)
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (Frakturen, die nicht operiert werden müssen, Gelenkerkrankungen)
  • Schmerzerkrankungen
  • urologische Erkrankungen
  • psychiatrische Erkrankungen (Depression, Demenz)

Sturzneigung

Unsere Schwerpunkte für Menschen mit Sturzneigung, häufig nach einem akuten Sturzereignis:

  • Abklärung von Sturzfolgen (Prellung, Fraktur)
  • Einschätzung des aktuellen Sturzrisikos
  • Behandlung der Sturzfolgen (Frührehabilitation)
  • Behandlungsstrategien zur Vermeidung weiterer Stürze (häufig nur die ersten Ansätze möglich, weitere ambulante oder stationär rehabilitative Behandlung anregen und organisieren)

Wussten Sie schon?

  • Hauptrisiken für Stürze sind abnehmende Kraft und Gleichgewichtsprobleme
  • Kraft- und Gleichgewichtstraining sind die effektivste Behandlung, Stürze zu verhindern
  • Bis ins hohe Lebensalter können Menschen vom Training profitieren
  • Auch Menschen mit einer Demenz können trainieren
  • Viele Senioren merken bereits nach wenigen Trainingseinheiten eine Verbesserung
  • Mehr als 3 x Training/Woche bringt keine weitere Verbesserung, kann aber schädlich sein
  • Mit nur 1 x Training/Woche kann man sein Sturzproblem nicht verbessern
  • Wir bieten regelmäßig Sturzpräventionskurse an

Stürze im Krankenhaus

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko von Stürzen und den dadurch bedingten Verletzungen nicht nur zu Hause, sondern auch im Krankenhaus.

Mobilität zu erhalten oder wiederzugewinnen ist allerdings das wichtigste Bedürfnis von Älteren im Krankenhaus. Dies ist auch im Diakoniekrankenhaus und natürlich innerhalb der Akutgeriatrie so.

Zu den bekannten Risikofaktoren für Stürze bei Älteren im Alltag kommen besondere Risiken im Krankenhaus hinzu

  • Patienten sind im Krankenhaus mit einer vollkommen fremden Umgebung und fremden Menschen konfrontiert; besonders gefährdet sind deshalb die ersten Tage nach Aufnahme
  • Besonders gefährdet sind Menschen, denen es sowieso schwerfällt, sich zu orientieren (z.B. Menschen mit Demenz)
  • Sofern eine gewisse Mobilität noch erhalten ist, erhöht fast jede akute Erkrankung zumindest bei Älteren die Sturzgefahr
  • In der Phase, in der nach schwerer Erkrankung die Mobilität incl. das Gehen wieder gefördert wird, sind Ältere besonders gefährdet (in der Akutgeriatrie nach unserer Erfahrung nach ca. 7-10 Tagen)
  • Kein Krankenhaus kann regelmäßig eine so intensive Betreuung gewährleisten, die immer eine unmittelbare, persönliche Hilfestellung beim Gehen ermöglicht (z.B. bei Toilettengänge etc.); die Nacht und das Wochenende sind deshalb Zeiten, an denen es besonders häufig zu Stürzen kommt
  • Viele unserer Patienten kommen darüber hinaus nicht mit dem Klingelsystem zurecht oder vergessen, es im Bedarfsfall zu bedienen

Was tun wir im Krankenhaus, um Stürze zu verhindern?

  • Sturzgefährdete Patienten so früh wie möglich erkennen
  • Aufklärung von Patienten und, wenn gewünscht, von Angehörigen über das erhöhte Sturzrisiko
  • Die Dauer im "fremden" Krankenhaus wird so kurz wie möglich gehalten
  • Bei Patienten, die gefährdet sind, aus dem Bett zu fallen, werden die Betten so tief wie möglich gestellt; manchmal ist es sogar sinnvoll, die Matratze auf den Boden zu legen, um den Sturz aus dem "hohen Bett" zu vermeiden
  • Wann immer möglich, Sicherheit beim Gehen schaffen (z B. durch persönliche Hilfestellung, Gehwagengebrauch)
  • Wenn möglich Sturzrisiko erhöhende Medikamente verändern (z. B. Dosis reduzieren, absetzen, Einnahmezeitpunkte verändern etc.)
  • Gute Beleuchtung schaffen (z .B. durch automatisches Einschalten der Beleuchtung durch Bewegungsmeldung auf der Toilette)
  • Wenn von Patienten akzeptiert, werden sog. Hüftprotektoren bei uns als Gürtel getragen, um bei einem Sturz den hüftnahen Bruch zu verhindern.

Was hilft nicht?

  • Bisher konnte wissenschaftlich nicht gezeigt werden, dass das Anbringen von Bettgittern Stürze und deren Folgen vermindern
  • Der Gebrauch eines Stocks verhindert einen Sturz nicht effektiv
  • Leichte Bewegungsübungen verringern nicht das Sturzrisiko
  • Einmal wöchentliches körperliches Training verbessert das Sturzrisiko bei Älteren nicht

Wie können Angehörige Stürze im Krankenhaus verringern helfen?

  • Sturzgefahr mit dem Angehörigen im Krankenhaus besprechen
  • Für gut sitzende Schuhe sorgen
  • Klingelsystem immer wieder erklären
  • Toilette zeigen bzw. mit Patient auf Toilette gehen
  • Bedienung des Lichtschalters am Krankenbett erklären und anschließend durch den Patienten zeigen lassen

Trotzdem bleibt, solange man fähig ist sich zu bewegen, ein Risiko - auch im Krankenhaus.

Stürze im Alltag

In Deutschland kommt es jährlich zu vier bis fünf Millionen Stürzen bei Erwachsenen. Meist sind davon Menschen über 65 Jahren betroffen.

Die Folgen von Stürzen sind nicht unerheblich. Neben leichteren Verletzungen wie Schürf- oder Platzwunden haben etwa fünf Prozent aller Stürze einen Knochenbruch zur Folge. Vor allem Hüftbrüche stellen dabei ein großes Problem dar. Sie führen oft zum Verlust der Gehfähigkeit. Auch seelische Folgen können auftreten. Die Betroffenen haben Angst vor weiteren Stürzen, schränken ihre Aktivität ein und ziehen sich in ihre Wohnung zurück.

Viele Stürze im Alter könnten vermieden werden, wenn Risikofaktoren für Stürze frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Sturzrisikofaktoren

  • Verminderte Muskelkraft und Muskelleistung
  • Verminderte Balance
  • Schlechtes Sehvermögen
  • Verminderte geistige Leistungsfähigkeit
  • Einnahme von mehr als vier Medikamenten
  • Einnahme bestimmter Medikamente

Besonders gefährdet ist, wer mehrere dieser Risikofaktoren aufweist.

Bitte bedenken Sie:

  • Wenn Sie den Verdacht haben, zur Gruppe der Sturzgefährdeten zu gehören, sollten Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen. Im Rahmen der privatärztlichen Sprechstunde kann dies auch am Diakoniekrankenhaus erörtert werden (Sekretariat Priv.-Doz. Dr. Schuler, Tel.: 0621 8102-3601).
  • Spätestens der 1. Sturz sollte ein Alarmsignal sein, dagegen etwas zu unternehmen.
  • Nach jedem Sturz muss nach den Ursachen geforscht werden! Kann die Umgebung so verändert werden, dass ein erneuter Sturz an gleicher Stelle vermieden wird?
  • Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass sturzgefährdete Menschen durch gezieltes Training Stürze vermeiden können. Auch am Diakoniekrankenhaus bietet unsere Physiotherapieabteilung einen "Einsteiger"-Kurs über 10 Wochen an, der vielfach von den Krankenkassen unterstützt wird. Fragen Sie uns: Sekretariat Priv.-Doz. Dr. Schuler, Tel.: 0621 8102-3601).

Äußere Umstände verursachen viel seltener einen Sturz, als gemeinhin angenommen wird. Sturzgefährdete stürzen auch in sicherer Umgebung! 

Sinnvolle Maßnahmen für Ihr Zuhause

  • hohe Teppiche weglegen,
  • rutschige Teppiche entfernen,
  • dunkle Flure und Räume gut beleuchten,
  • Treppenstufen deutlich kennzeichnen und
  • Haltegriffe im Bad anbringen

Die Benutzung eines Stocks verhindert in aller Regel keinen Sturz. Allenfalls ein Gehwagen mit Sitzmöglichkeit (Rollator) verringert die Sturzhäufigkeit, sofern er richtig bedient und konsequent genutzt wird.

Bei Menschen mit sehr hohem Sturzrisiko und häufigen Stürzen war der "Sturzhelm für die Hüfte", der Hüftprotektor, sehr erfolgreich, um die Hüfte beim Sturz vor einem Bruch zu schützen. Der Hüftprotektor ist also ein Aufprallschutz. Dieser fängt die Aufprallenergie ab und schützt Sie somit vor dem Hüftbruch. Inzwischen gibt es ein großes Angebot von Hüftprotektoren. Ihr Sanitätshaus wird Sie sicherlich gerne beraten. Auch für Menschen mit Kontinenzproblemen hat die Industrie inzwischen Lösungen entwickelt.

Akute und chronische Schmerzen

Unsere Schwerpunkte für ältere Menschen, die unter akuten und chronischen Schmerzen leiden:

  • Aufnahme von Patienten zur Behandlung ihrer chronischen Schmerzen, bei denen trotz ambulanter Behandlung keine zufriedenstellende Schmerzreduktion erzielt wurde
  • Aufnahme von Patienten mit Schmerzen zur Abklärung, wenn dies ambulant nicht möglich ist

Akuter Schlaganfall

Unsere Schwerpunkte für Menschen mit einem akuten Schlaganfall:

  • Ursachenklärung
  • Vermeiden und behandeln von Komplikationen
  • Erkennen und behandeln von funktionellen Problemen (Frührehabilitation)
  • Behandlungsoptionen (z.B. geriatrische Rehabilitation) nach der akuten Behandlung organisieren

Die Behandlungen erfolgen in enger Kooperation mit der Neurologie.

Demenz

Demenz

Unsere Schwerpunkte für ältere Menschen mit bekannten oder fraglich geistigen (kognitiven) Problemen (Demenz):

  • Abklärung einer möglichen Demenz und Behandlungseinleitung incl. Angehörigenaufklärung, wenn dies nicht ambulant möglich ist
  • Behandlung von Menschen, die zusätzlich zu einer bekannten Demenz akute internistische, neurologische, unfallchirurgische und geriatrische Probleme haben, die ambulant nicht diagnostiziert und behandelt werden können
  • Grenzen der Behandlungsmöglichkeiten in der Akutgeriatrie sind ausgeprägte Weglaufgefahr incl. Eigen- und Fremdgefährdung, die in aller Regel einer geschlossenen Behandlungseinheit bedürfen (Gerontopsychiatrie)

Umgang mit dementen Menschen

Der Umgang mit Menschen ist nicht immer einfach. Das trifft auch für Menschen mit der Diagnose "Demenz" zu.

Die Demenzerkrankung kann sich in vielen Erscheinungsformen unterschiedlicher Schwere zeigen, die ein Zusammenleben erheblich erschweren. Sie ist zunächst eine Erkrankung, die die Gedächtnisfunktionen beeinflusst. Das Gefühlsleben ist - anfänglich zumindest - nicht beeinträchtigt.

Besonders schwierig beim Umgang mit Menschen mit Demenz können folgende Auffälligkeiten sein:

  • Menschen mit wenig Antrieb
  • Menschen, die fast immer herumlaufen
  • Sprachlich oder / und auch körperlich aggressive Menschen
  • Menschen, die Tag und Nacht nicht schlafen
  • Menschen, die am Tage schlafen und nachts aktiv sind
  • Menschen mit wahnhaften Vorstellungen (Verfolgungswahn)
  • Menschen, die mit Stuhlgang und Urin nicht mehr angemessen umgehen

Hier ein paar Hinweise, die den Umgang mit Menschen mit Demenz erleichtern können:

  • Langsam, deutlich und bestimmt sprechen
  • Wichtige Informationen wiederholen
  • Im Gespräch sich auf die wesentlichen Informationen beschränken
  • Sich und dem Gegenüber Zeit lassen
  • Keine Diskussionen führen
  • Anschuldigungen und Vorwürfe besser überhören
  • Loben besser als kritisieren
  • Zweier Gespräche sind besser als mit vielen
  • Leistungsmaßstab nicht wie bei Gesunden anlegen
  • Störungen vermeiden
  • Orientierung fördern (Kalender, Schilder, gleicher Tagesablauf)
  • Ortswechsel vermeiden (Krankenhausaufenthalt nur bei zwingender Indikation)
  • Ruhige, aber nicht reizlose Umgebung schaffen
  • Auf eigene Mimik und Gestik achten
  • Eigenes aggressives Verhalten und Sprache meiden

Nicht immer finden wir den richtigen Ton. Wichtig ist, das zu erkennen, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Auch uns im Krankenhaus gelingt nicht immer, sich richtig zu verhalten. Hierfür gibt es viele Gründe:

  • Der Krankenhausalltag hat sich in den letzten Jahren deutlich beschleunigt, was sich gerade auf Menschen mit Demenz negativ auswirken kann
  • Wir haben Mitarbeiter mit unterschiedlichem Ausbildungsstand
  • Es ist schwierig, Mitarbeiter zu finden, die gerne anderen Menschen mit den geschilderten Problemen helfen
  • Wir kennen zunächst unsere Patienten nicht

Wir brauchen deshalb möglichst schnell viele Informationen zu unseren Patienten.

Als  Ansprechpartner  stehen Ihnen neben den vor Ort tätigen Pflegetherapeutinnen und -therapeuten und Stationsärztinnen und -ärzten auch die ärztlichen und pflegerischen Leitungen der Station zur Verfügung. Sie erreichen uns am besten:

  • unter der Stationstelefonnummer: 0621 8102-4880
  • oder dem Sekretariat der Akutgeriatrie: 0621 8102-3601
  • oder direkt auf der Station

Informationen zur Vorsorgevollmacht / Betreuungsverfügung

"Die Menschenwürde ist unantastbar" - so beginnt unser Grundgesetz und erhebt diese Aussage zur Grundlage unseres gesellschaftlichen miteinander Lebens. Und natürlich ist jede Art von Fremdbestimmung zunächst nicht vereinbar mit der so verstandenen Menschenwürde

Allerdings kann jeder unverhofft einen Unfall oder einen Schlaganfall erleiden, von einem geistigen Abbauprozess (Demenz) betroffen sein oder sonst schwer erkranken. Oft kann dann vieles nicht mehr selbst umgesetzt oder die Tragweite von Entscheidungen nicht mehr in vollem Umfang erfasst werden. Das deutsche Recht sieht in einem solchen Fall nicht vor, dass z. B. Ehepartner oder Kinder automatisch für den Betroffenen Aufgaben übernehmen können. 

Leider wird auch heute noch häufig, erst wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, selbstverantwortlich zu handeln, von Familienangehörigen festgestellt, dass sie ohne Vollmachten nicht für den Betroffenen handeln können. Selbst Ärzte dürfen Angehörigen keine näheren Angaben über den Betroffenen machen. 

Wenn keine ausreichende Vollmacht vorliegt und Handlungsbedarf gegeben ist, muss beim Amtsgerichts ein rechtlicher Betreuer bestellt werden (vorrangig geeigneter Angehöriger). 

Wenn Sie zu Vollmacht und Betreuungsverfügung rechtliche Fragen haben bzw. zur Vermeidung von Streitigkeiten weitere Vereinbarungen treffen wollen oder ihre Vollmacht gegen Missbrauch absichern wollen, brauchen Sie professionelle Hilfe (z.B. durch einen auf das Betreuungsrecht spezializierten Rechtsanwalts).

Vollmachten

Wissenswertes über Vollmachten

  • Eine Vollmacht sollte nur einer Vertrauensperson erteil werden. Bei Verhinderung der Vertrauensperson kann auch ein Vertreter benannt werden.
  • Sie  sollte sich auf die Vermögensangelegenheiten, die Gesundheitsfürsorge und die Aufenthaltsbestimmung erstrecken.
  • Es können eine oder mehrere Personen gleichzeitig bevollmächtigt oder die Aufgaben auf mehrere Personen verteilt werden. Berücksichtigen Sie, dass dies auch in der Praxis umsetzbar sein muss.
  • Es sollte festgelegt werden, ob jede bevollmächtigte Person einzeln vertretungsbefugt ist oder die Bevollmächtigten nur gemeinsam handeln können.
  • Der Vollmachtgeber muss  zum Zeitpunkt der Vollmacht die Inhalte der Vollmacht und die Konsequenzen einer Vollmacht verstehen und dies glaubhaft belegen. Bei Rechtsstreitigkeiten wird dies überprüft (=Geschäftsfähigkeit).
  • Aus Gründen der Beweissicherheit sollte die Schriftform gewählt werden. Bei höchstpersönlichen Angelegenheiten wie Aufenthaltsbestimmung und Gesundheitsfürsorge ist die Schriftform verpflichtend.
  • Es empfiehlt sich, die Vollmacht bei der Betreuungsbehörde beglaubigen oder notariell beurkunden zu lassen. Der Notar muss sich bei einer Beurkundung davon überzeugen, dass der Vollmachtgeber zum Zeitpunkt der Unterschrift geschäftsfähig ist.
  • Der Bevollmächtigte sollte informiert und einverstanden sein.
  • Er muss auch im medizinischen Behandlungsfall sich als Bevollmächtigter möglichst schnell zu erkennen geben.
  • Bei geplanter Verhinderung des Bevollmächtigten (z.B. Urlaub) muss die Erreichbarkeit geklärt sein (Vertreter, telefonisch rund um die Uhr etc.).
  • Eine Vollmacht ist durch das Original oder eine Ausfertigung des Originals  nachzuweisen. Im Behandlungsfall wünschen Hausarzt und Krankenhausarzt meist eine Kopie der Vollmacht für ihre Unterlagen.
  • Original oder Ausfertigungen sollten so aufbewahrt werden, dass sie im Bedarfsfall schnell verfügbar sind.
  • Jeder Verdachtsfall des Missbrauchs der Vollmacht durch den Bevollmächtigten sollte dem Amtsgericht oder/und der Polizei gemeldet werden. Das Amtsgericht kann einen Kontrollbetreuer einsetzen.
  • Zusätzlich zur Vollmacht ist es sinnvoll, eine Bankvollmacht (bei der Bank) für alle Konten und evtl. Schließfächer und eine Postvollmacht (bei der Post) zu erteilen.
  • Rechtsanwaltliche oder notarielle Vorsorgevollmachten werden empfohlen bei größerem Vermögen, wenn mit Rechtsstreitigkeiten in der Familie zu rechnen ist. Sie muss auf jeden Fall bei allen Rechtsgeschäften erfolgen, bei denen ein Formzwang besteht, z.B. Grundstücksveräußerung, Erbschaftsausschlagung. Bei der Beurkundung bestätigt der Rechtsanwalt / Notar Ihre Geschäftsfähigkeit.
  • Außerdem klärt er Sie über den Inhalt und die rechtlichen Auswirkungen der Vollmacht auf.

Vorteile

  • Rechtzeitige private Vorsorge für den Fall der Fälle
  • Der Umfang der Vollmacht ist selbst bestimmt
  • Vollmachtgeber kann Bevollmächtigten selbst bestimmen
  • Sofortiges Handeln möglich
  • Widerrufsrecht jederzeit möglich
  • Vermeidung der rechtlichen Betreuung
  • Vermeiden von Kosten und Rechtfertigungspflicht gegenüber dem Amtsgericht

Nachteile

  • Gefahr des Missbrauchs
  • Mögliche fehlende Qualifikation des Bevollmächtigten
  • Weitgehend fehlende Kontrolle des Bevollmächtigten
  • Widerruf auch in einer Situation, in der Sie nicht mehr die Tragweite dieser Entscheidung überblicken, leicht möglich

Betreuungsverfügung

Wenn Sie keine Vorsorgevollmacht ausstellen wollen können Sie als Alternative eine Betreuungsverfügung ausstellen. In dieser Verfügung teilen Sie dem Amtsgericht mit, welchen Betreuer und welche sonstigen Wünsche Sie für den Fall einer Betreuungsnotwendigkeit haben. Daran müssen sich Betreuer und das Gericht halten, sofern diese realisierbar und zumutbar sind und Ihrem Wohle dienen. Sie ist Grundlage für den gerichtlichen Beschluss.

Für wen ist die Betreuungsverfügung gedacht?

  • Sie haben keine Vertrauensperson, der Sie eine Vollmacht erteilen können - wollen
  • Sie ziehen die gerichtliche Kontrolle vor
  • Die von Ihnen bevollmächtigte Person kann oder will die Vollmacht nicht mehr ausüben

Welche Form muss eine Betreuungsverfügung haben?

Die Erteilung der Betreuungsverfügung ist formfrei. Es sollte jedoch die Schriftform gewählt werden (Hand- oder Maschinenschrift).

Wo sollte die Betreuungsverfügung aufbewahrt werden?

Sie kann beim Vormundschaftsgericht hinterlegt werden. 

Für Mannheim: 

Amtsgericht Mannheim
Vormundschaftsgericht A 2, 1,
68159 Mannheim
Telefon: 0621 292-0

Medizinische Behandlungsverfahren

Integration rehabilitativer Verfahren

Eine wesentliches Merkmal der Klinik für Geriatrie am Diakonissenkrankenhaus ist die Integration rehabilitativer Verfahren unmittelbar bei der Behandlung der akuten Erkrankung, um Funktionen zu erhalten oder zu verbessern.

In der Tabelle sind die wesentlichen Merkmale unserer Arbeit dieser möglichst frühen, individuellen Förderung im interdisziplinären Team beschrieben:

KriteriumAnforderung
StrukturBehandlung durch ein geriatrisches Team unter fachärztlicher Behandlungsleitung (Zusatzweiterbildung oder Schwerpunktbezeichnung im Bereich "Klinische Geriatrie" erforderlich)
AssessmentStandardisiertes geriatrisches Assessment zu Beginn der Behandlung in mindestens 4 Bereichen (Mobilität, Selbsthilfefähigkeit, Kognition, Emotion) und vor der Entlassung in mindestens 2 Bereichen (Selbständigkeit, Mobilität)
FEESFieber-endoskopische Evaluation des Schluckens
SozialesSoziales Assessment zum bisherigen Status in mindestens 5 Bereichen (soziales Umfeld, Wohnumfeld, häusliche/außerhäusliche Aktivitäten, Pflege-/Hilfsmittelbedarf, rechtliche Verfügungen)
TeamWöchentliche Teambesprechung mit wochenbezogener Dokumentation bisheriger Behandlungsergebnisse und weiterer Behandlungsziele
PflegeAktivierend-therapeutische Pflege durch besonders geschultes Pflegepersonal
TherapieEinsatz von Therapiebereiche: Physiotherapie/Physikalische Therapie, Ergotherapie, Logopädie/facio-orale Therapie, Psychologie/Neuropsychologie

Umgang mit verwirrten Personen

Leider reagieren viele ältere Menschen bei akuten Erkrankungen, aber auch bei Umgebungs- und Personenwechsel mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Phase des Verwirrtseins (Delir). Wir gehen hier neue Wege. Wesentliche Elemente sind:

  • Den Krankenhausaufenthalt möglichst kurz halten oder sogar vermeiden
  • Angehörige (vertraute Personen) im Krankenhaus in die Behandlung einbeziehen (fragen Sie uns, was Sie tun können)
  • Personalwechsel möglichst gering halten (sehr schwierig heutzutage)
  • Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit verwirrten Menschen
  • Nur die wirklich notwendigen Untersuchungen durchführen
  • Menschen zur Eigenaktivität anleiten und unterstützen
  • uvm.
Fachinfos Demenz

Demenz und demenzbedingte Verhaltensänderungen

von M. Runge

Die demographische Entwicklung führt dazu, dass immer größere Bevölkerungssegmente ein hohes Alter erreichen (Tab.1).

40 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer werden ihren 85. Geburtstag erleben, aber mindestens 20 Prozent dieser Menschen werden an einer Demenz leiden (Tab. 2). 

Die nüchternen Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir selbst mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht nur professionell betroffen sein werden, sondern auch persönlich als Patienten oder als Angehörige. Der Umgang mit dementen Patienten bestimmt schon heute die schwierigsten Bereiche unserer Berufstätigkeit. Im Auftrag der Unternehmensgruppe Dienste für Menschen haben wir vor einiger Zeit alle Bewohner eines Esslinger Pflegeheimes mit einem kognitiven Testverfahren untersucht, und fanden heraus, dass bei ca. 75 Prozent der Patienten eine messbare Hirnleistungsstörung/Demenz vorlag. 

Die Bedeutung des Themas ist also mit statistischen Zahlen eindrücklich zu belegen, ist aber auch in der Erfahrung der praktisch Tätigen dominierend.

erreichtes Alter65 Jahre80 Jahre85 Jahre90 Jahre
Frauen89%60%40%20%
Männer78%38%21%8%

Tab.1: Abgekürzte Sterbetafel 1992/94 - Früheres Bundesgebiet

Quelle: Statistisches Bundesamt

StudieAlter





65-6970-7475-7980-8485-8990-94
Jorm et al 19871,42,85,610,520,838,6
Hofman et al 19911,44,15,713,021,632,2

Tab. 2: Altersspezifische Häufigkeit (Prävalenz) von Demenzerkrankungen (in %)

Sprachlich herrscht eine verwirrende Vielfalt:

Von Cerebralsklerose über Hirnorganisches Psychosyndrom bis hin zu Demenz, Verwirrtheit, Hirnleistungsstörung und kognitiver Störung reicht die Palette der verwendeten Ausdrücke. Nicht immer ist klar, was im einzelnen gemeint ist. 

Eine definitorische Klärung tut not. Das Gehirn ist ein Organ, das zu einem Bündel verschiedener Leistungen fähig ist: Wahrnehmen, Erkennen, Denken, Rechnen, Sprechen, Schreiben, Abspeichern von Gedächtnisinhalten, Abrufen von Gedächtnisinhalten, Erkennen von räumlichen Strukturen, Problemlösen, Steuern von Kreislauf und Atmung, Regulation der Temperatur und von hormonellen Regelkreisen usw. - eine überwältigende Vielfalt. 

Durch Krankheitsprozesse verschiedener Art treten irreversible Schäden auf, die die cerebralen Leistungen in jeweils unterschiedlicher Weise endgültig vermindern, stören oder zerstören. Und neben Krankheiten gibt es auch im Altersprozess Strukturveränderungen und Leistungsminderungen.

Nach alter Tradition wird die Gesamtheit der Psyche unterteilt in kognitive, affektive und konative Leistungen

Konativ bedeutet die Willensbildung betreffend, affektiv bezeichnet die Gefühle und Kognition den Verstand incl. der Wahrnehmungsvorgänge. Der Ausdruck "kognitive Störung" meint also nur, dass eine Erinnerungs-, Denk- oder Wahrnehmungsleistung vermindert ist. 

Der Ausdruck Hirnleistungsstörung hat eine ähnliche Bedeutung. Mit psychopathometrischen Verfahren (= Messung der psychischen Pathologie) oder durch die klinische Beurteilung kann festgestellt werden, ob sich die kognitiven Leistungen eines Menschen vom Durchschnitt seiner Altersgruppe unterscheiden. Wenn dies der Fall ist, muss eine Ursache gesucht werden. 

Hier ergibt sich ein breites Spektrum: von Infektionen über Stoffwechselkrankheiten, Schädel-Hirn-Traumen, Alkohol, Rauschmittel, Tabletten, Hirntumore, Gefäßkrankheiten, degenerative Hirnveränderungen. Eine Betrachtung möglicher Ursachen macht schnell deutlich, dass akute, vielleicht vorübergehende Zustände von chronischen Prozessen unterschieden werden müssen. 

Die für den Patienten wichtigste Unterscheidung ist natürlich die Frage der Behandelbarkeit im Sinne von Heilung der Ursache. Die Ursache einer Hirnschädigung entscheidet über den Verlauf und die Therapiemöglichkeiten. Deshalb ist eine Betrachtung verminderter Hirnleistungen ohne Bedenken der Ursache wenig ergiebig.

Demenz besteht in einer dauernden Verschlechterung kognitiver Funktionen aufgrund von organischen Hirnveränderungen, die so ausgeprägt ist, dass Beruf bzw. Alltagsbewältigung beeinträchtigt sind.

Nach der Definition amerikanischer Psychiater (DMS IV) bestehen folgende Kriterien für eine Demenz: Beeinträchtigung des Kurz- und Langzeitgedächtnisses als Kernsymptom und mindestens einer der folgenden Befunde:

  • Beeinträchtigung des abstrakten Denkens
  • Verminderung des Urteilsvermögens
  • eine Störung höherer kortikaler Funktionen, z. B. Aphasie, Apraxie, Agnosie, oder Persönlichkeitsveränderungen

Ohne diese Definition und ihre Grenzen hier zu diskutieren, ist festzuhalten, dass die Demenz sich von der benignen Altersvergesslichkeit durch den Ausprägungsgrad und die Auswirkung auf die Alltagsbewältigung unterscheidet. Im klinischen Alltag erfordert die Diagnose Demenz den Nachweis der Hirnleistungsstörungen und den Nachweis des chronischen Verlaufes.  Eine akute Bewusstseinstrübung verbietet die Diagnose Demenz, weil die kognitiven Ausfälle vielleicht durch die Bewusstseinstrübung erklärt werden können.

Demenz ist kein Krankheitsbegriff im eigentlichen Sinne, denn Krankheit setzt eine einheitliche Ursache voraus.

Demenz ist ein Syndrom, also ein Zustandbild mit regelhaft gemeinsam vorkommenden Symptomen, das auf verschiedene Ursachen zurückgeht.

Weitaus am häufigsten (55-75%) besteht eine Demenz vom Alzheimertyp (DAT).  Ohne hier auf die Krankheitslehre einzugehen, soll nur kurz angeführt werden, dass ca. 20 Prozent der Demenzen vaskulär bedingt oder mitbedingt sind, also durch Hirndurchblutungsstörungen verschiedener Art ausgelöst wurden (Multiinfarktdemenz z. B.). Vaskuläre Schäden und Alzheimerschädigungen können gemeinsam vorkommen. Da es einen geringen Anteil kausal behandelbarer Demenzen gibt (u.a. Tumore, Vitamin B12-Mangel, Hypothyreose, Stoffwechselerkrankungen, Entzündungen), ist auf jeden Fall eine genaue neurologische und neuroradiologische Abklärung erforderlich (v. a. ein CT). 

Diagnostik und Therapie der Demenz sind aber hier nicht das Thema, auch nicht der pflegerische Umgang mit dementen Patienten, so wichtig diese Punkte sind. Die Frage, die hier im Zentrum steht, bezieht sich auf die Krankenbeobachtung und pflegerische Diagnostik und klinische Beschreibung bei dementen Patienten. 

Die psychopathometrische Diagnostik lässt den Ausprägungsgrad erkennen, mit dem verschiedene ZNS-Funktionen gestört sind. Testverfahren belegen, dass z .B. Gedächtnis, Rechenfähigkeit, abstraktes Denken, Wortfindung oder Wortflüssigkeit gestört sind. 

Wenn man sicher ist, dass Motivation und Vigilanz die Testdurchführung nicht entscheidend beeinträchtigt haben, und dass die Testsituation einigermaßen repräsentativ für die Kognition des Patienten ist, ist solch ein Testverfahren zuverlässiger als das individuell strukturierte klinische Urteil. 

Die Testergebnisse sagen uns aber nicht, wie sich die verminderte Kognition im Alltag auswirkt. Denn das Prägende für den Patientenalltag und damit für alle, die den Patienten betreuen, sind die sich aus der Demenz ergebenden Verhaltensstörungen. Jeder kennt demente Patienten, die zwar große Lücken in ihren kognitiven Funktionen aufweisen, sich aber im Alltag gut führen lassen, nicht zu störenden oder gefährdenden Handlungen neigen, und die vor allen Dingen in der Lage sind, neue motorische Abläufe zu erlernen. 

Der letzte Punkt liegt darin begründet, daß das Erlernen von Wissensstoff und das Erlernen von Handlungsabläufen und Bewegungen neuronal und funktionel in zwei unterschiedlichen Systemen repräsentiert sind (deklaratives/ explizites versus prozedurales/ implizites Lernen, dazu der Artikel Daum und Ackermann 1997). 

Ein auf Wort- und Rechenmaterial basierender Test sagt uns also nichts über die Möglichkeiten des Patienten zum motorischen Lernen. Ganz sicher sagt uns ein üblicher kognitiver Test wenig über das Alltagsverhalten, in dem Handlungsweisen wie Weglaufen, Aggressionen oder Blockieren bei notwendigen Alltagsaktivitäten entscheidend sind. Diese empfindliche Lücke vermag mindestens teilweise ein amerikanischer Test zu schließen, der aufgrund von Befragungen von Pflegemitarbeitern konstruiert wurde.

Folgende demenzbedingte Gruppen von Verhaltensstörungen dominieren den Patientenalltag

laut der statistischen Analyse von Pflegeerfahrungen im Hinblick auf Schwierigkeiten der Betreuung:

  • inadäquate Unterbrechung der Pflegeroutine
  • Patient erfordert Anweisung/ Maßnahmen gegen Weglaufen
  • Patient erfordert Aufsicht, um Gefahr zu vermeiden
  • Inadäquate Geräuschentwicklung
  • Körperliche Aggressivität
  • Verbale Aggressivität
  • Patient widersetzt sich angemessenen Anweisungen
  • Ruheloses Umherlaufen

Die Psychogeriatric Dependency Rating Scales (PGDRS), aus denen diese Liste entnommen ist, messen die Häufigkeit, mit der diese Verhaltensweisen vorkommen. 

Dabei wird gezählt, an wieviel von fünf Tagen ein bestimmtes Verhalten vorkommt. Wenn mindestens zwei der acht Merkmalskomplexe jeweils an mehr als an zwei Tagen beobachtet werden, ist ein Grenzwert (cut off-Wert) erreicht, der eine Patientengruppe beschreibt, die besondere gerontopsychiatrische Betreuung braucht (Wilkinson und Graham-White 1980, German et al 1992). 

Die "Psychogeriatrische Skala" hat sich bewährt, um pflegerischen Betreuungsaufwand abzuschätzen und damit auch über die Plazierung zu entscheiden, z.B. Reha-Station vs. besonderer gerontopsychiatrischer Station. Auf jeden Fall ist die Skala geeignet, die sonst sehr individuell geprägte und damit missverständliche Kommunikation über demenzbedingte Verhaltensstörungen zu verbessern. 

Wenn man das ICIDH-Schema heranzieht, über das an dieser Stelle schon mehrfach gesprochen wurde, erweist sich wieder einmal dessen strukturierende und klärende Potenz. Es macht Sinn und trägt zu pathogenetischen Klärung der Zusammenhänge bei, verursachende Ebene (z.B. Krankheiten) und die Ebenen der Krankheitsfolgen auf Organebene, auf personaler Ebene und sozialer Ebene zu unterscheiden. Erst diese Differenzierung ermöglicht eine rationale Planung. 

Die Skala misst nicht auf der Ebene der Schädigung (S-Code, impairment), sondern auf der Ebene des personalen Verhaltens (Fähigkeitsstörung, F-Code, disability) (vgl. Runge und Wahl 1996, World Healt Organisation 1995). Auf dieser Ebene integriert der einzelne Mensch seine multiplen Organstörungen in einer sehr persönlichkeitsgeprägten Art in ein Gesamtverhalten, das für das Langzeitmanagement zugrunde gelegt werden muß. Die Skala mindert die interindividuelle Varianz, mit der Verhaltensstörungen dementer Patienten erfasst und beschrieben werden. Mit ihr kann in einer Interrater(Beurteiler)-Schulung geübt werden, diese Verhaltensweisen intersubjektiv gleichartig zu erfassen. Natürlich kommt man in diesem Feld nicht ohne persönliche Wertung aus. Es ist durchaus unterschiedlich, was Beurteiler unter "angemessenen Anweisungen" oder "verbaler Aggressivität" verstehen. Solche Unterpunkte einer Meßskala müssen durch Beispiele konkretisiert werden. Bei der Einordnung sozial störender Geräusche dürfte es z.B. weniger Differenzen geben.

Einige zusammenfassende Hinweise:

  • Demenz allein als diagnostische Zuschreibung sagt uns wenig über das Verhalten der Patienten und damit wenig über die notwendige Planung. Wir müssen die Verhaltensweisen im Alltag mitberücksichtigen.
  • Wie "schwer" eine Demenz ist, zeigt sich am Verhalten der Gesamtperson, und nicht bei einzelnen kognitiven Leistungen. Wir dürfen außerdem nicht vergessen, dass bei dementen Patienten die kognitiven Minderungen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können, zudem noch fluktuieren. Eine bestimmte intellektuelle Funktion kann viel besser erhalten sein als eine andere.
  • Patienten mit schweren Gedächtnisstörungen können z.B. noch eine sehr sensible soziale Wahrnehmungsfähigkeit haben und sehr genau kränkendes Verhalten der Betreuenden registrieren.
  • Psychische Diagnostik ist insgesamt unumgänglich, wenn nicht jeder Patient in subjektiver Beliebigkeit mehr oder weniger lyrisch  beschrieben werden soll. Im Teamgespräch ist immer wieder zu beobachten, dass Begriffe und Kategorien sehr verschiedenartig gefüllt werden. Daraus entsteht eine babylonische Sprachverwirrung, die gemeinsame Planung und Handlungen schwer macht. Eine gemeinsam erlente Skala kann die Zusammenarbeit präzisieren und ökonomischer gestalten, indem viele definitorische Unterschiede aufgearbeitet werden können.

Neben Defiziten müssen immer auch Ressourcen und Potentiale miterfasst werden. Im Falle der Demenz ist besonders das prozedurale, besonders das motorisch-funktionelle Lernen wichtig. 

Auch demente Patienten können neue Bewegungsabläufe erlernen. Dieser Gesichtspunkt ist wichtig, wenn man die Rehabilitationsfähigkeit beurteilen will. Wenn ein dementer Patient im Pflegealltag Handlungsabläufe und motorische Abläufe verbessert, ist Rehafähigkeit gegeben. 

Dann muss natürlich noch beurteilt werden, ob ein Patient störendes oder gefährdendes Verhalten zeigt, das eine Rehabilitation in fremder Umgebung unmöglich macht. Hier kann die psychogeriatrische Skala gute Dienste leisten.

Literatur

  • Daum I, Ackermann H: Nondeklaratives Gedächtnis - neurophysiologische Befunden und neuroanatomische Grundlagen. Fortschr Neurol Psychiatr 65:122-132, 1997
  • German PS, Rovner BW, Burton LC, Brant LJ, Clark R (1992) The role of mental morbidity in the nursing home experience. Gerontologist 32:152-158
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